Der Vergleich der Verhältnisse
"Strassenverkehr vs. Schusswaffen"
 
Um die Verhältnisse des Straßenverkehrs mit dem des Schusswaffenbesitzes in Deutschland zu vergleichen, müsste die Ausgangslage wie folgt angepasst werden:
 
1. Es gibt zwei Sorten Autos, weiße und schwarze
 
2. Weiße Autos haben TÜV, sind versichert und zugelassen
 
3. Schwarze Autos haben keinen TÜV, sind nicht versichert und nicht zugelassen
 
4. Auf ein weißes Auto auf der Autobahn kommen zwei schwarze
 
5. Die Fahrer weißer Autos müssen einen Führerschein besitzen und regelmäßig an Verkehrsschulungen teilnehmen
 
6. Weiße Autos darf man nur kaufen, wenn man eine behördliche Genehmigung vorweisen kann.
 
7. Man darf nur eine bestimmte Menge weiße Autos in einem bestimmten Zeitraum erwerben und auch nur den dazu passenden Kraftstoff
 
8. Weiße Autos und ihre Besitzer können jederzeit kontrolliert werden, auch wenn das Auto in der eigenen Garage steht.
 
9. Auch wenn die Kontrolle keine Mängel ergibt und anlasslos war, muss der Besitzer des weißen Autos dafür bezahlen.
 
10. Schwarze Autos sind an über 90% aller Verkehrsdelikte beteiligt und an fast allen tödlichen Unfällen.

 
Jetzt können wir anfangen, über Tempolimits zu reden.
 
Der Haken an der Sache: Die Überwachungstechnik, die das Tempolimit überwacht, kann nur weiße Fahrzeuge mit gültigem Nummernschilder erfassen und identifizieren. Schwarze Autos werden einfach meistens ignoriert, so dass zwangsläufig fast nur weiße Autos geblitzt und die Fahrer weißer Autos pauschal als gemeingefährliche Autonarren und Raser verunglimpft werden.
 
Massenmedien und die Vertreter_innen der “wir-wissen-besser-was-gut-für-dich-ist”-Parteien sind sich schnell einig, dass der Bestand weißer Autos reduziert und der weitere Verkauf möglichst ganz unterbunden werden muss. Selbstverständlich müssen die Verkehrsregeln nochmals verschärft und bestehende Geschwindigkeitsbegrenzungen erneut herabgesetzt werden. Natürlich müssen auch Altersgrenzen her, Autoführerscheine gibts fortan erst ab 21 und auch nur maximal Autos mit 50 PS, eine stärkere Motorisierung wird erst ab 25 Jahren gestattet. Weiße Wagen dürfen zudem nur in Garagen mit Fort-Knox-Zertifizierung aufbewahrt werden und müssen über ein Dutzend biometrischer Sicherungssysteme verfügen, die es verhindern, dass der Wagen von Unberechtigten gestartet wird. Zudem dürfen nur bestimmte Straßen benutzt werden und eine Abweichung von der vorher zu genehmigenden Route wird mit Führerscheinentzug geahndet.
 
Was bringen nun diese Maßnahme, wenn die schwarzen Autos nach wie vor für fast alle Verkehrsverstöße verantwortlich sind, sämtliche Maßnahmen sich aber gegen die weißen Fahrzeuge und ihre in aller Regel absolut zur Straßenverkehrsordnung konforme Fahrweise richtet?
 
Immer weniger weiße Autos werden langsam über die Autobahn tuckern, während schwarze Wagen mit vor sich hin feixenden Fahrern links und rechts an ihnen vorbeirasen.
 
Viele Besitzer weißer Wagen, die noch nie zu schnell oder unvorsichtig gefahren sind, werden frustriert ihre Wagen verschrotten lassen und zukünftig zu Fuß gehen. Andere besorgen sich schwarze Autos und nehmen fortan fröhlich und völlig unbehelligt von politischer und behördlicher Gängelei einfach illegal am Straßenverkehr teil. Entledigt aller Hemmungen, man kontrolliert sie nun ja nicht mehr, vergessen sie alle Verkehrsregeln, ignorieren jedes Tempolimit und tragen mit dazu bei, dass der Anteil schwarzer Auto an tödlichen Unfällen noch weiter steigt.
 
Die Verbieter und Verschärfer werden sich gegenseitig auf die Schultern klopfen und es ganz toll finden, dass man die Beteiligung weißer Fahrzeuge an Verkehrsverstößen um 90 Prozent senken konnte, von 20 Fällen auf zwei. Da diese zwei aber immer noch den Beweis darstellen, dass der Besitz und das Fahren weißer Autos gefährlich ist, arbeitet man längst an einem totalen Besitzverbot für weiße Wagen.
 
Auf die Idee, dass man vielleicht den Fahrern der schwarzen Autos eine Amnestie anzubieten und ihnen die Möglichkeit einräumt, ihre Autos anzumelden, zu versichern, weiß zu lackieren und fortan unter staatlicher Kontrolle diszipliniert am Straßenverkehr teilzunehmen, kommt man natürlich nicht.
 
“Jedes weiße Auto weniger bedeutet mehr Sicherheit auf den Straßen” lautet ihr Credo. Auch wenn die Unfallstatistiken und Zulassungszahlen genau das Gegenteil belegen. Das juckt aber nicht, denn Fakten interessierten noch nie und das Rechnen scheint auch bei vielen Politiker_innen eine recht unbeliebte Disziplin zu sein. 90 oder gar 100 Prozent Rückgang hört sich nun mal viel besser an, als nur zehn oder 20 Prozent.
 
Auch wenn hundert Prozent von ganz wenig viel weniger ist, als zehn oder 20 Prozent von ganz viel.